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Atommülltransporte: Grüne fordern Anpassung an neue Gefährdungslage

02. April 2025

Sieben Castoren rollen dieser Tage von Nordenham nach Niederbayern. Ziel: das Atommüll-Zwischenlager in Niederaichbach. Die Grünen haben dazu eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt und fordern deutlich besseren Schutz, denn die Gefährdungslage hat sich aufgrund der fortgeschrittenen Waffentechnologie sehr verändert.

Mehr als 3000 Tonnen hochradioaktiver Atommüll befinden sich bereits in Bayerns Zwischenlagern*, eines davon ist im niederbayerischen Niederaichbach bei Landshut. Dort kommen in diesen Tagen weitere sieben Castorbehälter hinzu. Allerdings: Die Zwischenlagerung wird stetig unsicherer. Martin Stümpfig, Sprecher für Energie der Landtags-Grünen, sagt:

„Das Problem sind aktuell weniger die sieben zusätzlichen Castorbehälter in Niederaichbach. Das grundlegende Problem ist, dass dieser hochradioaktive Atommüll – in Niederaichbach werden es am Ende dann insgesamt 122 Castoren sein – nicht ausreichend gesichert ist.“

Die Landtags-Grünen haben jetzt eine sogenannte Anfrage zum Plenum gestellt, um zu erfahren, ob sich die Bayerische Staatsregierung unter Ministerpräsident Söder im Rahmen des „Operationsplan Deutschland“** für einen verstärkten Schutz der bayerischen Zwischenlager einsetzt und dabei auch standortnahe Neubauten mit Verbunkerung in Betracht zieht.

Hintergrund: Ursprünglich für nur 40 Jahre geplant, werden die entsprechenden Lagerstätten wohl mindestens 80 bis 100 Jahre oder länger benötigt werden. Damit steigen auch die Gefahren: Behälter könnten undicht und nicht mehr repariert werden können, und die in die Jahre gekommenen Hallen und Castoren halten möglicherweise Terrorangriffen oder Flugzeugabstürzen nicht stand. 

„Die Forderung nach besserem Schutz, insbesondere gegen Angriffe durch panzerbrechende Waffen, ist seit fast 20 Jahren die gleiche – nur wird sie von Jahr zu Jahr dringlicher, weil sich die Waffen in den letzten Jahren so enorm weiterentwickelt haben. Damals gab es noch keine GPS-gesteuerten Kampfdrohnen oder russische Hyperschallraketen“, sagt Martin Stümpfig. 

Die Landtags-Grünen fordern seit langem eine Anpassung an die aktuellen Bedrohungslagen und eine umfassende Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen.

Darüber hinaus muss die Endlagersuche mit aller Kraft vorangetrieben werden. „Ministerpräsident Söder macht seit Jahren wieder massiv Werbung für Atomkraft, und gleichzeitig tut er alles, um eine faire und offene Suche nach einem Endlager zu sabotieren – auch in Bayern, sagt Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen. 

„Wegen Markus Söders Blockadehaltung im Bundesrat können die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums zur Endlagersuche seit Jahren nicht neu berufen werden – dieses wichtige Gremium ist dadurch nicht arbeitsfähig. Dabei muss doch jedem klar sein: Eine stockende Suche nach einem Endlager in der Tiefe verlängert die gefährliche Zwischenlagerung an der Oberfläche! Anstatt Verantwortung zu übernehmen und aktiv an einer Lösung mitzuwirken, spielt Söder auf Zeit und gefährdet damit nicht nur unsere Sicherheit, sondern auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in eine verantwortungsvolle Energiepolitik“, so Katharina Schulze weiter.

Dabei hat insbesondere Bayern einen großen Anteil an den hochradioaktiven Hinterlassenschaften des Atomzeitalters – der Freistaat erzeugte so viel Atomstrom wie kein anderes Bundesland. 

„Wir haben in nur wenigen Jahrzehnten Abfälle produziert, die in ihrer Zusammensetzung schlimmste Auswirkungen auf unser Land haben können – weit über unseren Lebenszeitraum hinaus! Wir alle, und dazu zählen insbesondere auch CSU und CDU, tragen die Verantwortung, dieses Risiko einerseits so gut wie möglich und andererseits möglichst zügig zu reduzieren“, so Katharina Schulze.

 

 

*2426 Tonnen hochradioaktiver Atommüll lagern derzeit oberirdisch in bayerischen Zwischenlagern, und weitere 627 Tonnen befinden sich noch in den AKW-internen Nasslagern in Gundremmingen und Isar I und II (Stand 31.12.2023, nach GRS).

**Der „Operationsplan Deutschland“ ist ein Strategiepapier der Bundeswehr mit detaillierten Planungen, wie im Verteidigungsfall vorgegangen werden sollte und welche Aufgaben dabei auf Kommunen, Hilfsorganisationen und Zivilbevölkerung zukommen. Das Papier ist rund 1.000 Seiten lang.